{"id":1216,"date":"2019-03-16T16:16:31","date_gmt":"2019-03-16T15:16:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.flockofideas.com\/?p=1216"},"modified":"2019-03-16T16:16:34","modified_gmt":"2019-03-16T15:16:34","slug":"nach-dem-geld-ist-vor-dem-geld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.flockofideas.com\/index.php\/2019\/03\/16\/nach-dem-geld-ist-vor-dem-geld\/","title":{"rendered":"Nach dem Geld ist vor dem Geld"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><em>Wie die Digitalisierung von Verm\u00f6genswerten einen neuen Geldbegriff n\u00f6tig machen k\u00f6nnte. <\/em><\/h4>\n\n\n\n<p>Im September 2008 hat die Investmentbank Lehman Brothers den gr\u00f6ssten Konkurs in der US-Geschichte ausgel\u00f6st und damit offiziell die Finanzkrise eingeleitet. Gut einen Monat sp\u00e4ter hat der unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto agierende Erfinder von Bitcoin das dazugeh\u00f6rige \u00abWhitepaper\u00bb \u00fcber die technischen Grundlagen der Kryptow\u00e4hrung ver\u00f6ffentlicht. Angesichts der aufkeimenden globalen Bankenrettung war der f\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichung gew\u00e4hlte Zeitpunkt wohl nicht ganz zuf\u00e4llig. Heute, mehr als zehn Jahre sp\u00e4ter, k\u00f6nnten die Meinungen \u00fcber die Bedeutung von Bitcoin kaum weiter auseinanderliegen: W\u00e4hrend die einen in der Kryptow\u00e4hrung keinen praktischen Nutzen entdecken k\u00f6nnen, bef\u00fcrchten andere in ihr einen unliebsamen Konkurrenten, und f\u00fcr wieder andere ist sie der erste Schritt in einer Entwicklung zu einem echten globalen und friktionslosen Transaktionsmedium. Nur in einem Punkt stimmen viele \u00fcberein: Bitcoin resp. die Technologie dahinter erlaubt die Digitalisierung von Verm\u00f6genswerten in einer Weise, welche die Bedeutung des Geldes, so wie wir es heute kennen, obsolet machen k\u00f6nnte. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eine kurze Theorie des Geldes\n<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Nur, was ist Geld \u00fcberhaupt? <\/em>Vertreter der \u00d6sterreichischen Schule der National\u00f6konomie haben sich ausf\u00fchrlich mit dieser Frage besch\u00e4ftigt. Ausgehend von einer kon- sequenten Anwendung der von ihm mitgetragenen subjektiven Wertrevolution gelangte Carl Menger zur Auffassung, dass Geld das spontane Ergebnis aus dem Zusammenspiel aller Marktteilnehmer sei: Menschen an unterschiedlichen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten fanden eine ganze Reihe von G\u00fctern vor, die sich mehr oder weniger als Transaktionsmedium eigneten. Auf dem europ\u00e4ischen Kontinent handelte es sich typischerweise um Gold und Silber, in anderen Regionen waren es Salz, Tierfelle oder das Geh\u00e4use der Kaurischnecke. Geld, so Menger, stelle darum eine marktorganische Entwicklung und keine obrigkeitliche Erfindung dar, wie es der Chartalist Georg Friedrich Knapp und wenig sp\u00e4ter John Maynard Keynes behaupteten. Offensichtlich: Geld l\u00f6st die Ineffizienzen der reinen Tauschwirtschaft auf elegante Weise, indem es als Medium zwischen den eigentlichen Pr\u00e4ferenzen zweier Tauschpartner vermittelt. In sozio\u00f6konomischer Hinsicht ist Geld darum nicht viel mehr als die Manifestation eines <em>gew\u00f6hnlichen Gutes <\/em>in dessen Sonderrolle <em>als das momentan effizienteste Tauschmedium. <\/em>Der Begriff des Warengeldes r\u00fchrt von dieser Entwicklung her. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Geld \u2013 eine Glaubensfrage?\n<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dass dem Geld auch eine <em>intrinsische <\/em>Funktion zukommt, war f\u00fcr unsere Vorfahren selbstverst\u00e4ndlich: So war die Verwendung von Gold als rituellem Gegenstand weit verbreitet; Geldbussen l\u00f6sten zudem die urspr\u00fcnglich nach dem Talionsprinzip auf ein Gleichgewicht ausgerichteten K\u00f6rperstrafen (\u00abAuge um Auge, Zahn um Zahn &#8230;\u00bb) ab und dienten damit keinem weniger hehren Ziel als der innergemeinschaftlichen Befriedung. Heute scheint Geld allerdings zu einem <em>rein instrumentellen <\/em>Gegenstand verkommen zu sein \u2013 ein blosses Mittel zum Zweck. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Dutzenden im Anschluss an die Finanzkrise erschienenen B\u00fccher werteten Geld \u2013 meist unbeabsichtigt \u2013 sogar zur blossen Glaubensfrage ab. Wenn wir nur daran <em>glaubten, <\/em>dass der \u00abGreen- back\u00bb morgen noch akzeptiert werde, so m\u00fcsse ihm auch heute ein Wert zukommen. Eigentlich ist damit bereits alles gesagt: Der US- Dollar zeichnet sich genauso wie der Schweizer Franken vor allem durch eines aus: durch aufwendig verarbeitetes, staatlich sanktioniertes Papier. Seine allgemeine gesellschaftliche Akzeptanz gibt dem Geld einen subjektiven Wert und damit einen Marktpreis. Oder in den Worten des israelischen Historikers Yuval Noah Harari: Geld ist vorwiegend eine \u00abmentale Revolution\u00bb, eine Frage des Vertrauens in ein gegebenes politisches System. <\/p>\n\n\n\n<p>Augenscheinlich ist allerdings auch, dass die Geschichte des Geldes eine des Betrugs und der Manipulation ist. Diese eindringlichen Worte finden wir beim Nobelpreistr\u00e4ger Friedrich August von Hayek in seinem 1976 erschienenen Bestseller zur privaten Geldemission. Kaum ein anderes Gut wurde von K\u00f6nigen und an- geblichen Halbg\u00f6ttern dermassen missbraucht, um Kriege zu f\u00fchren oder einen pomp\u00f6sen Lebensstil zu finanzieren. In Goethes \u00abFaust II\u00bb begegnen wir einer kritischen Auseinandersetzung mit der ambivalenten Thematik: Mephisto wird darin zum anf\u00e4nglich bewunderten Erfinder des Papiergelds; indes brachte dessen Experiment dem K\u00f6nigreich vor allem Spekulation sowie Verschuldung und letztendlich einen elenden Abstieg. Die \u00abg\u00f6ttliche\u00bb Magie des Geldes war dessen Missbrauch gewichen. In Wirklichkeit war es der Schotte John Law, der zu Beginn des 18. Jahrhunderts den Papiergeldstandard erfand. Die Konsequenzen des Experiments waren allerdings anders als bei Goethe nicht lediglich imagin\u00e4rer Natur. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Keine Wiederentdeckung sozialistischer Phantasmen\n<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend wir im Kommunistischen Manifest von 1848 die Forderung nach der \u00abZentralisation des Kredits in den H\u00e4nden des [angeblich absterbenden] Staates\u00bb lesen, war es die Idee der sozialistischen Anarchisten, allen voran Proudhons und Kropotkins, nicht nur das Eigentum abzuschaffen, sondern mit ihm das Geldsystem als solches. Im Ergebnis w\u00e4re dies ein R\u00fcckschritt zu den primitiveren Formen der Tausch- und Schenk\u00f6konomien gewesen. Ohne irgendeinen Massstab, der die Knappheit der verf\u00fcgbaren Ressourcen anzeigt, w\u00e4ren die heutigen kapitalistischen Errungenschaften undenkbar, und Armut und Umweltverschmutzung w\u00e4ren noch weit verbreiteter. Geld bzw. die sich daraus ergebenden Preise fungieren demnach als effektive Knappheitsindikatoren. <\/p>\n\n\n\n<p>Vorliegend geht es also nicht darum, Geld, Zins oder sogar Eigentum zu verteufeln, wie es bei einem Proudhon oder Kropotkin g\u00e4ngig war. Der zehnte Jahrestag der <em>Bitcoin Blockchain, <\/em>deren erster Block am 3. Januar 2009 geschaffen wurde, gibt uns Gelegenheit, dar\u00fcber nachzudenken, wohin uns der Weg mit einmaligen und unverf\u00e4lschbaren digitalen Verm\u00f6genswerten f\u00fchren k\u00f6nnte. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00abTokenize Everything!\u00bb\n<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Konzept der Blockchain erlaubt es, reale G\u00fcter und Dienstleistungen mit der digitalen Welt zu <em>verkn\u00fcpfen. <\/em>Dabei m\u00fcssen wir uns geistig vor allem von einer Annahme \u00fcber die Funktionsweise virtueller Systeme trennen: Anders als gew\u00f6hnliche Computer- dateien, deren Vervielf\u00e4ltigung einzig durch die physikalischen Gesetze beschr\u00e4nkt wird, weist die Blockchain mit Hilfe von Com- puterprotokollen (\u00abSmart Contracts\u00bb) reale Verm\u00f6genswerte in eindeutiger und \u2013 vor allem \u2013 <em>einmaliger <\/em>Weise einer digitalen Einheit (\u00abToken\u00bb) zu. Mit der \u00dcbertragung des Tokens an eine andere Person kann nun auch die Eigent\u00fcmerschaft am entsprechenden Verm\u00f6genswert auf den Erwerber \u00fcbergehen. Mit anderen Worten: Statt bloss eine ansprechende Urlaubserinnerung im JPEG-Format per E-Mail zu versenden, k\u00f6nnte nunmehr auf Knopfdruck unmittelbar der rechtlich durchsetzbare Eigentumstitel an van Goghs Meisterwerk \u00abLa nuit \u00e9toil\u00e9e\u00bb \u00fcbertragen werden. <\/p>\n\n\n\n<p>Aktuell verk\u00f6rpern solche digitale Token vor allem Krypto- w\u00e4hrungen wie Bitcoin und Ethereum. Zwar ist der Unterhalt solcher Datennetzwerke ressourcenintensiv, Kryptow\u00e4hrungen weisen typischerweise jedoch keine eigentliche Deckung durch reale Verm\u00f6genswerte auf. Derweil haben allerdings erste Schweizer Unternehmen damit begonnen, die von ihnen emittierten Anleihen und Aktien auf die Blockchain zu \u00fcbertragen oder eben zu \u00abtokenisieren\u00bb. Denkbar ist auch, dass Unternehmen die von ihnen produzierten G\u00fcter und angebotenen Dienstleistungen, sofern die Einteilung in physikalische Masseinheiten m\u00f6glich ist, in digitalen Repr\u00e4sentationen abbilden. Der Erwerber solcher <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u00abDurch die M\u00f6glichkeit des Erwerbs von Realwerten des Wirtschaftskreislaufes w\u00fcrde jede Person unmittelbar an der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung partizipieren.\u00bb <\/p><p> <\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Anspr\u00fcche k\u00f6nnte sodann, \u00e4hnlich einem Gutschein, die digital abgebildete Leistung direkt beim Anbieter einfordern oder \u2013 die freie \u00dcbertragbarkeit des Tokens vorausgesetzt \u2013 auf einem Handelsplatz gegen andere Dienstleistungs- oder G\u00fcter-Token ver\u00e4ussern. Dank Blockchain findet die Transaktion bilateral statt, <em>ohne <\/em>das Zutun einer Drittpartei. Dies bedeutet ferner, dass KMUs und Start-up-Unternehmen nicht mehr gezwungen sind, Fremd- und Eigenkapital \u00fcber die etablierten Kan\u00e4le aufzunehmen, sondern ihre Gesch\u00e4ftsideen bereits sehr fr\u00fch an interessierte Investoren bringen k\u00f6nnen. Dass die mit solchen Investitionen verbun- denen Risiken f\u00fcr Anleger beachtlich sind, steht ausser Frage: Bei tokenisierten Dienstleistungen wird es entscheidend auf die Bonit\u00e4t des Schuldners ankommen, bei tokenisierten G\u00fctern wird hingegen die Qualit\u00e4t der Verwahrung des digital abgebildeten Verm\u00f6genswerts eine massgebliche Rolle spielen. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eine Frage der Liquidit\u00e4t\n<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Sprung zum neuartigen Transaktionsmedium scheint nun nur noch ein kleiner zu sein: Augenscheinlich nimmt durch die Tokenisierung die <em>Liquidit\u00e4t <\/em>von Aktien und Anleihen zu, denn sie stehen nun einem gr\u00f6sseren Publikum zur Verf\u00fcgung. Hayek sprach sich f\u00fcr die Adjektivierung des Geldbegriffs aus: Als Geld einsetzbare G\u00fcter sind demnach \u00abunterschiedlich liquid\u00bb. Der \u00d6konom Fritz Machlup f\u00fchrte daf\u00fcr den Begriff der \u00abMoneyness\u00bb eines Gutes ein. Demnach weist jedes Gut eine ihm eigene relative St\u00e4rke auf, in einer Gemeinschaft als Transaktionsmedium akzeptiert zu werden. Bei Gold und Silber ist der Geldcharakter historisch belegt; bei Fahrr\u00e4dern des H\u00e4ndlers von nebenan wohl eher nicht. Das Beispiel des Fahrradh\u00e4ndlers zeigt denn auch die offenkundigen Grenzen der \u00abTokenize Everything\u00bb-Idee auf: Die entschei- dende Frage ist nicht prim\u00e4r eine der Handelbarkeit, sondern eine der <em>Marktliquidit\u00e4t <\/em>des zugrunde liegenden Gutes. Zwar kann in Theorie jeder erdenkliche Gegenstand tokenisiert werden; allerdings schliesst ungen\u00fcgende Liquidit\u00e4t etliche Verm\u00f6genswerte von einer sinnvollen Nutzung als Geld aus. So ist es wegen der mutmasslich geringeren Liquidit\u00e4t unwahrscheinlich, dass die Migros tokenisierte Schulden eines kleinen honduranischen Kaffeebauern als Zahlungsmittel akzeptieren w\u00fcrde. Wahrscheinlicher ist hingegen, dass der Genossenschaftsbund Eigentumstitel an grossen Kaffeeeink\u00e4ufern wie beispielsweise Nestl\u00e9 wie Geld und im Verlaufe der Zeit \u2013 eben \u2013 <em>als Geld <\/em>behandeln w\u00fcrde. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Digitalisierung k\u00f6nnte allerdings noch einen Schritt weitergehen: Wieso sollte es k\u00fcnftig nicht m\u00f6glich sein, mit einem winzigen Bruchteil eines Containers honduranischen Kaffees an der Migroskasse zu bezahlen? Immerhin ist die Migros ohnehin an einer Kaffeelieferung interessiert. Aber auch f\u00fcr den Fall, dass kein Interesse daran best\u00fcnde, k\u00f6nnten <em>miteinander vernetzte <\/em>Handelspl\u00e4tze den Austausch von tokenisierten Verm\u00f6genswerten erm\u00f6glichen, die heute nicht unmittelbar gegeneinander getauscht werden k\u00f6nnen. Man spricht in diesem Zusammenhang von \u00abAbwicklungsketten\u00bb: japanischer Yen gegen Aluminium gegen Terabytes Cloud-Speicher gegen honduranische Kaffeelieferungen und so weiter und so fort. Der Nutzer w\u00fcrde freilich nichts von der Komplexit\u00e4t des Vorgangs bemerken. Klar ist auch: Die Rolle des heutigen Geldes <em>als vermittelndes Gut <\/em>w\u00fcrde in einem solchen System \u00fcberwiegend obsolet werden. <\/p>\n\n\n\n<p>Zahlungssysteme, die auf mittels der Blockchain-Technologie emittierten Token beruhen, k\u00f6nnten rasch an Bedeutung gewinnen. Eine baldige \u00abAbl\u00f6sung\u00bb des staatlichen Geldsystems widerspr\u00e4che allerdings dem aus der Telekommunikationsforschung stammenden <em>Metcalfe\u2019schen Gesetz: <\/em>Neben Informationstechnologien wie beispielsweise dem Telefon oder Internet profitiert wohl kaum ein Gut so stark von positiven Netzwerkeffekten wie eine W\u00e4hrung: Deren Wert f\u00fcr einen Nutzer h\u00e4ngt \u2013 unter anderem \u2013 von der Anzahl weiterer Personen ab, die bereit sind, die W\u00e4hrung zu verwenden. Allerdings existieren auch Effekte, die der allgemeinen Verbreitung von staatlichen und privaten W\u00e4hrungen Schranken auferlegen: Namentlich reduziert sich die Akzeptanz eines Geldmittels bereits an dessen kultureller Grenze; nur gr\u00f6ssere, globale Emittenten geniessen das Vertrauen (resp. die Autorit\u00e4t), monet\u00e4re Netzwerke unterhalten zu k\u00f6nnen, die den Erdball umspannen. Eine zweite Beschr\u00e4nkung ist legalisti- scher resp. politischer Natur: An einer universalen Geldverkehrsfreiheit fehlt es schlichtweg. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>R\u00fcckbesinnung auf Realwerte\n<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Tokenisierung erlaubt mittels leichterer Handelbarkeit der ihr zugrunde liegenden Verm\u00f6genswerte einen <em>liquideren <\/em>Markt, was zu tieferen Transaktionskosten im Zusammenhang mit dem Handel der Verm\u00f6genswerte f\u00fchrt. Geringe Transaktionskosten sind keine spezifische Qualit\u00e4t von Geld, aber eine wesentliche Bedingung f\u00fcr dessen Erfolg. Eine weitere Voraussetzung ist die relative Knappheit des Verm\u00f6genswerts. Was l\u00e4ge da n\u00e4her als die Deckung des digitalen Geldes mit Realwerten? <\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn es auf den ersten Blick widerspr\u00fcchlich klingen mag, so wird unsere monet\u00e4re Zukunft wohl eine der R\u00fcckbesinnung sein. Nach rund 100 Jahren inflation\u00e4ren Papierstandards globalen Ausmasses scheint es so, als st\u00fcnden wir vor einer neuen Phase <em>gedeckten <\/em>Geldes. Anders als zu Zeiten des physischen Goldstandards w\u00e4re es aber nicht eines, sondern w\u00e4ren es mehrere, miteinander konkurrierende <em>digitale <\/em>Geldangebote \u2013 und zwar von privater Seite. Den Menschen bliebe es \u00fcberlassen, welche Zahlungsmittel sie im Alltag akzeptierten und nutzten. Dies befreite den \u00abkleinen Mann\u00bb davon, seine Sparverm\u00f6gen bloss in praktisch unverzinsten Verbindlichkeiten der Bank halten zu m\u00fcssen; durch die M\u00f6glichkeit des Erwerbs von Realwerten des Wirtschaftskreislaufes w\u00fcrde jede Person unmittelbar an der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung partizipieren. Dieses Ziel w\u00e4re beispielsweise mit Hilfe der Tokenisierung entsprechender Beteiligungen, Darlehen und Immobilien \u00fcber einen Warenkorb (\u00abBasket\u00bb) realisierbar. Die dank Warenkorb erreichte Diversifizierung w\u00fcrde zudem allf\u00e4llige Kursschwankungen einzelner Verm\u00f6genswerte abschw\u00e4chen und damit letztlich stabilere Tokenpreise erlauben. <\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Weg zum gedeckten digitalen Geld bedarf es allerdings rechtlicher Anpassungen: Die Verbindung von realer und digitaler Welt steht derzeit noch auf relativ wackligen juristischen Beinen. Mit dem Bericht zu Blockchain-Technologien vom Dezember 2018 hat sich der Bundesrat nun zum Ziel gesetzt, der noch jungen Industrie in einigen gewichtigen Punkten unter die Arme zu greifen. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Brot gegen Aktie\n<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die anf\u00e4nglich aufgeworfene Frage nach der Abschaffung des Geldes kann nach dem Gesagten verneint werden. Tats\u00e4chlich steht <em>nicht <\/em>die Abschaffung des Geldes an sich, sondern vielmehr die Aufl\u00f6sung des heute gebr\u00e4uchlichen Geldbegriffes zur Diskussion. Mehr noch: Die Entwicklung stellt im weiteren Sinne eine R\u00fcckkehr zum urspr\u00fcnglichen Verst\u00e4ndnis von Geld dar \u2013 dem Warengeld. Wenn also k\u00fcnftig die Kundin einer B\u00e4ckerei ihr 400-Gramm-Roggenmischbrot mit einem Zwanzigstel einer Novartis-Aktie bezahlen wird, muss lediglich die Definition von Geld, wie wir es heute kennen und besitzen, \u00fcberdacht werden. Der Wert der neuartigen Geldformen als gedeckte Transaktions- medien kann hingegen kaum hoch genug eingesch\u00e4tzt werden.  <\/p>\n\n\n\n<p><em>Dieser Beitrag ist <a href=\"https:\/\/schweizermonat.ch\/nach-dem-geld-ist-vor-dem-geld\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"erschienen (opens in a new tab)\">erschienen<\/a> in der Februarausgabe 2019 des Schweizer Monats.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie die Digitalisierung von Verm\u00f6genswerten einen neuen Geldbegriff n\u00f6tig machen k\u00f6nnte. 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