{"id":913,"date":"2018-03-15T16:36:39","date_gmt":"2018-03-15T15:36:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.flockofideas.com\/?p=913"},"modified":"2018-04-19T11:13:02","modified_gmt":"2018-04-19T09:13:02","slug":"meinungsaeusserung-als-teil-des-menschlichen-identitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.flockofideas.com\/index.php\/2018\/03\/15\/meinungsaeusserung-als-teil-des-menschlichen-identitaet\/","title":{"rendered":"Die Meinungs\u00e4usserung als Teil der menschlichen Identit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p><strong>Vorbemerkungen zur Menschenw\u00fcrde und zur individuellen Identit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Die Menschenw\u00fcrde ist ein schwer greifbares Konzept, dessen praktischer Wert unter Rechtsphilosophen zudem umstritten ist. Aus <em>ethischer <\/em>Perspektive wurde und wird die Menschenw\u00fcrde traditionell entweder theologisch (Mensch als Abbild Gottes), naturrechtlich (aufgrund der Vernunft) oder formalistisch bzw. deontologisch (insbesondere mit Immanuel Kants These, dass der Mensch immer Selbstzweck und niemals bloss Mittel sein d\u00fcrfe) hergeleitet. Demgegen\u00fcber beziehen utilitaristische und kontraktualistische Theorien das Prinzip der Menschenw\u00fcrde regelm\u00e4ssig nur mittelbar ein.<\/p>\n<p>In praktisch allen F\u00e4llen beschreibt die Menschenw\u00fcrde einen <em>existenziellen Wert<\/em>, welcher jeder und jedem aufgrund ihrer resp. seiner evolutionsbiologischen Gleichheit zukommt, ohne dies weiter begr\u00fcnden zu m\u00fcssen. Insofern ist die Menschenw\u00fcrde die positive Anerkennung des Menschseins an sich und der damit verbundenen Kategorien des Denkens, Sprechens und Handelns \u2013 gleichsam die <em>Identit\u00e4t<\/em> des Einzelnen.<\/p>\n<p>Im vorliegenden Beitrag m\u00f6chte ich mit dem Konzept der Menschenw\u00fcrde nicht die sehr umk\u00e4mpften Debatten angehen, die sich mit dem Anfang und Ende des Lebens besch\u00e4ftigen, oder damit, ob ein Leben \u201ein W\u00fcrde\u201c gewisser staatlicher Sozialleistungen bedarf.<\/p>\n<p>Meine These besch\u00e4ftigt sich alleine mit der <em>Meinungs\u00e4usserung<\/em> als Teil der Menschenw\u00fcrde und damit unserer individuellen Identit\u00e4t. Die Meinungs\u00e4usserung repr\u00e4sentiert nach der vorliegend vertretenen Auffassung einen inh\u00e4rent menschlichen Akt, den es als solchen kategorisch zu dulden gilt. Daf\u00fcr greife ich argumentativ \u2013 ausgehend von einer diskursethischen Rechtfertigung der Meinungs\u00e4usserungsfreiheit \u2013 gleichermassen auf formalistische und utilitaristische Erw\u00e4gungen zur\u00fcck.<\/p>\n<p><strong>\u201eSpeech\u201c als politischer Denk-Sprech-Akt<\/strong><\/p>\n<p>Die Sprache ist <em>das<\/em> zentrale Werkzeug der menschlichen Kommunikation. Ihre Bedeutung f\u00fcr die Gestaltung des sozialen Kontexts, in dem man sich bewegt, ist immens: Durch den Sprechakt k\u00f6nnen wir unsere Mitmenschen loben, ermutigen und emotional unterst\u00fctzen; gleichzeitig erlaubt uns das Sprechen, andere zu kritisieren, zu entmutigen oder psychisch unter Druck zu setzen.<\/p>\n<p>Diese Doppelnatur der Sprache f\u00fcr den sozialen Kontext ist bedeutsam; ihr kommt namentlich eine <em>politische<\/em> Dimension zu: Wo wir uns nicht im rein privaten Umfeld bewegen, k\u00f6nnen unsere \u00c4usserungen auf Widerstand stossen. Unter Umst\u00e4nden werden unsere Aussagen als bedauerlich und kleingeistig wahrgenommen, ja m\u00f6glicherweise wird man uns f\u00fcr den un\u00fcberlegten Inhalt kritisieren oder gar unsere Person als solche attackieren.<\/p>\n<p>Aussagen zeigen Wirkung, indem der Inhalt der Botschaft R\u00fcckschl\u00fcsse auf den Absender erlaubt. Der Empf\u00e4nger wird dar\u00fcber entscheiden, ob er weiterhin den sozialen Kontakt mit dem Absender pflegen will. Dies ist richtig, denn wir <em>m\u00fcssen<\/em> Verantwortung f\u00fcr unsere Meinungs\u00e4usserungen \u00fcbernehmen. Es soll weh tun, wenn man Dummheiten behauptet, ohne sachliche Argumente daf\u00fcr vorbringen zu k\u00f6nnen. Soziale \u00c4chtung war und ist eines der wirksamsten Instrumente \u00fcberhaupt \u2013 psychologisch oft weit effektiver als Rechtsnormen \u2013, das in solchen F\u00e4llen f\u00fcr gesellschaftliche Hom\u00f6ostase und damit sozialen Ausgleich sorgt.<\/p>\n<p>Ein wesentlicher Teil des Menschseins ist definiert durch die verbale (und nat\u00fcrlich auch nonverbale) Kommunikation des Einzelnen mit seiner Umwelt. Ferner macht Kommunikation erst Sinn in der Gruppe: So wie der Mensch Teil der Gemeinschaft ist (Aristoteles\u2019 \u201ezoon politikon\u201c), ist der Sprechakt Ausdruck einer kollektiven Zugeh\u00f6rigkeit. Sprechen und Menschsein geh\u00f6ren darum ein und derselben sozio-kulturellen Ebene an.<\/p>\n<blockquote><p><em>Ein wesentlicher Teil des Menschseins ist definiert durch die verbale Kommunikation des Einzelnen mit seiner Umwelt.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Einen bestimmten Sprechakt zu verbieten, ist deshalb nicht nur ein leichter Eingriff, sondern einer, der unsere <em>Menschenw\u00fcrde<\/em> und damit unsere<em> individuelle Identit\u00e4t<\/em> tangiert.<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[1]<\/a> Diese Auffassung wird nicht nur in den F\u00e4llen manifest, in denen eine bestimmte Wortwahl verp\u00f6nt ist (\u201ehate speech\u201c), sondern vor allem unter jenen Umst\u00e4nden, in welchen dar\u00fcber hinaus \u201epolitisch korrektes\u201c Sprechen <em>gefordert\u00a0<\/em>wird (\u201eforced speech\u201c). Das Problem liegt in diesem Fall noch tiefer, weil durch die bewusste Steuerung des Sprechaktes die Denkweise der betroffenen Menschen nachhaltig beeinflusst werden kann.<\/p>\n<p>Weil eben eine <em>erzwungene<\/em> Sprache auch unser Denken nachhaltig ver\u00e4ndern kann, sind Denken und Sprechen deutlich enger beieinander, als man auf den ersten Blick zu meinen glaubt. In der Tat ist der Sprechende auch immer ein Denkender; selbst wenn man unbedarft spricht, ist damit ein affektiver (oft stereotyper) Denkprozess verbunden.<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;Freedom to think as you will and to speak as you think are means indispensable to the discovery and spread of political truth.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p>Dieser ber\u00fchmte Satz stammt aus dem Urteil \u201eWhitney versus California\u201c von 1927, in welchem Richter Brandeis die Einheit von Denken und Sprechen als <em>ein und denselben<\/em> politischen Akt betonte.<\/p>\n<p><strong>Mills \u201eharm principle\u201c<\/strong><\/p>\n<p>In seinem grossartigen Buch \u201eOn Liberty\u201c (1859) schr\u00e4nkte John Stuart Mill jegliche Freiheitsbeschr\u00e4nkungen des Einzelnen auf die F\u00e4lle ein, in welchen eine andere Person zu Schaden kommt. Bis heute sind der Umfang und die Bedeutung dieses als \u201eharm principle\u201c bezeichneten Konzepts unter politischen Philosophen umstritten:<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;That principle is, that the sole end for which mankind are warranted, individually or collectively, in interfering with the liberty of action of any of their number, is self-protection. That the only purpose for which power can be rightfully exercised over any member of a civilised community, against his will, is to prevent harm to others.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p>Aus liberaler Sicht stellt sich die Frage, wo man \u2013 will man Mills \u201eharm principle\u201c folgen \u2013 die <em>Trennlinie<\/em> zwischen erlaubter und verbotener Meinungs\u00e4usserung ziehen will. Diese Aufgabe geh\u00f6rt zu den schwierigsten in einer offenen und freien Gesellschaft, und sie ist meines Erachtens im Zweifelsfall zugunsten uneingeschr\u00e4nkter Meinungs\u00e4usserung auszulegen (\u201ein dubio pro libertate\u201c).<\/p>\n<p><strong>Denken, Sprechen und Handeln: ein <em>einziges <\/em>Spektrum?<\/strong><\/p>\n<p>Denken, Sprechen und Handeln erscheinen prima facie als v\u00f6llig voneinander losgel\u00f6ste Prozesse. Wie wir oben gesehen haben, k\u00f6nnen wir jedoch an dieser Feststellung mit Blick auf die politische Dimension des Denk-Sprech-Aktes nicht festhalten.<\/p>\n<p>Demgegen\u00fcber sind Sprechen und Handeln <em>kategorial<\/em> unterschiedliche Dinge. Eine Person in ihrem religi\u00f6sen Glauben oder in ihren ideologischen \u00dcberzeugungen zu verletzen \u2013 US-amerikanische Juristen nennen dies den \u201eerkennbaren Schaden\u201c, der in einer liberalen Gesellschaft hinzunehmen ist \u2013, ist nicht dasselbe, wie wenn ich ihr zum Zeichen meines inhaltlichen Einwandes ins Gesicht schlage. Dort, wo physische Eingriffe eine mehrheitlich symbolische Note besitzen, wie das Anspucken oder der im arabischen Raum verbreitete Wurf eines Schuhs, findet eine komplexe Vermischung der beiden Kategorien statt.<\/p>\n<p>Ferner kann ein bestimmter Sprechakt durchaus die <em>emotionale<\/em> und psychologische Schmerzgrenze erreichen, die mit derjenigen physischer Eingriffe zumindest vergleichbar ist. Dies wird deutlich anhand der Propaganda der NSDAP, welche dem Zweck der sprachgesteuerten Erniedrigung von bestimmten Gruppenangeh\u00f6rigen, wie etwa Juden, politischen Opponenten, Homosexuellen oder Angeh\u00f6rigen von Fahrenden, diente. Dasselbe kann man \u00fcber die verbale Machtdemonstration des Hutu-Regimes gegen\u00fcber der Tutsi-Minderheit in Ruanda sagen, welche 1994 im Genozid endete.<\/p>\n<p>Offensichtlich: Worte k\u00f6nnen subjektiv verletzend sein. Dies wird kaum einer bestreiten wollen, hat doch wohl schon jede und jeder diese Realit\u00e4t am eigenen Leib erfahren m\u00fcssen. Dennoch m\u00f6chte ich nicht die Auffassung vertreten, so wie es einige in Anlehnung an Ludwig Wittgenstein tun,<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[2]<\/a> dass Worte und Handlungen je nach Kontext derselben Kategorie angeh\u00f6ren k\u00f6nnen, dass also die Unterscheidung zwischen \u201efree speech\u201c und \u201ehate speech\u201c letztendlich subjektiv beliebig ist.<\/p>\n<p>Nur im Fall der <em>eigentlichen<\/em> Handlung wird die physische Integrit\u00e4t des betroffenen Individuums direkt verletzt; im Fall des herabw\u00fcrdigenden Sprechens wird man meines Erachtens h\u00f6chstens <em>ausnahmsweise<\/em> argumentieren d\u00fcrfen, dass die Intensit\u00e4t des Sprechaktes diejenige der unmittelbaren physischen Misshandlung erreicht. Diese seltenen F\u00e4lle sind allerdings so systematisch in ihrer Natur, dass sie historisch wohl fast ausschliesslich durch totalit\u00e4re staatliche oder parastaatliche Institutionen ausge\u00fcbt worden sind.<\/p>\n<p>Die hier vertretene Position teilt demgegen\u00fcber dem Staat die Rolle des Zuschauers zu, was opportunistische und fremdinteressengeleitete Versuche zur Sprachsteuerung und Zensur erschwert.<\/p>\n<p><strong>Von einer reaktion\u00e4ren \u201eFlat earth\u201c-Mentalit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Eine offene Einstellung gegen\u00fcber Andersdenkenden und -sprechenden verk\u00f6rpert Fortschrittsfreundlichkeit und Skepsis gegen\u00fcber \u201ekonservierten\u201c Machtstrukturen. Die Meinungsfreiheit \u2013 interpretiert im Sinne des \u201eharm principle\u201c \u2013 ist, wenn auch nicht immer Rezept f\u00fcr den sozialen Frieden, doch ein solches des sozialen Fortschritts. Der Supreme Court-Richter William O. Douglas sprach darum von einem eigentlichen \u201emarket place of ideas\u201c:<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;Like the publishers of newspapers, magazines, or books, this publisher bids for the minds of men in the market place of ideas.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p>Mills Standpunkt sollte ferner vor dem Hintergrund eines weiteren normativen Konzepts interpretiert werden: der ethischen Maxime einer grunds\u00e4tzlich offenen Geisteshaltung. Es ist diese <em>prinzipielle<\/em> Toleranz, welche ihren Ursprung in der liberalen Aufkl\u00e4rung hat. Anders als die selektive, gef\u00fchlsbetonte und rein subjektive Toleranz, welche zwar in freundlichen Kleidern daherkommt \u2013 und zugegeben, an deren Eckpunkten ich mich aus praktischen Gr\u00fcnden im Alltag ebenfalls zu orientieren versuche \u2013, die aber letztlich der freien Gesellschaft einen B\u00e4rendienst erweist, indem sie Andersdenkende und -sprechende paradoxerweise gerade wieder ausschliesst.<\/p>\n<p>Prinzipielle Toleranz ist freilich keine leichte Aufgabe; sie erfordert ununterbrochene Aufmerksamkeit und Selbstreflexion, ohne indes zu einer Haltung des Werterelativismus f\u00fchren zu m\u00fcssen. Sie ist ferner ein Akt gegen jede Form von Zensur. Umgekehrt f\u00fchrt konformistisches \u201evirtue signalling\u201c, das f\u00fcr den Absender der Mitteilung v\u00f6llig risikofrei ist, zu gesellschaftlichem und intellektuellem Stillstand. Oder anders ausgedr\u00fcckt, die (angeblichen) Progressiven von heute sind wahrscheinlich die Konservativen von morgen!<\/p>\n<p><strong>Verteidigung aus Prinzip<\/strong><\/p>\n<p>Um mit Friedrich A. Hayek zu sprechen, die Meinungsfreiheit ist eine Errungenschaft, die man nicht bloss aus \u00dcberlegungen der Zweckm\u00e4ssigkeit sch\u00fctzen soll, sondern man muss f\u00fcr ihren Bestand <em>aus Prinzip<\/em> einstehen. Um Missverst\u00e4ndnisse zu vermeiden, dies bedeutet gerade nicht, dass wir nicht aus Anstand \u2013 ja vor allem weil tugendhaftes Handeln etwas Gutes und Sch\u00f6nes ist \u2013 die Gef\u00fchle anderer ernstnehmen sollten.<\/p>\n<p>Eine lateinische Redewendung mag hier dienlich sein:<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;Fortiter in re, suaviter in modo.&#8221;<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\"><strong>[3]<\/strong><\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Dort aber, wo wir Missst\u00e4nde zu erkennen glauben, m\u00fcssen wir geradeaus sprechen. Wir m\u00fcssen darum aus Prinzip f\u00fcr die Meinungs\u00e4usserungsfreiheit unserer politischen Kontrahenten eintreten, <em>damit<\/em> sie sich trotz ihrer politischen Verwirrtheit und ihrer teils sch\u00e4dlichen Gedanken \u00f6ffentlich artikulieren k\u00f6nnen. Wie erw\u00e4hnt, dies bedeutet indes nicht, dass die \u201eprinzipielle Toleranz\u201c als das Feigenblatt intoleranter oder sch\u00e4dlicher Auffassungen dienen soll; ihre Maxime wirkt lediglich <em>prozedural<\/em>, indem sie anderen erm\u00f6glicht, deren Meinungen in die \u00f6ffentliche Sph\u00e4re hineinzutragen.<\/p>\n<p>Dem <em>Inhalt<\/em> der Botschaft gegen\u00fcber m\u00fcssen wir darum zumindest skeptisch, oft sogar selbst <em>intolerant<\/em> sein. Um Karl Poppers eindr\u00fcckliches Diktum zu verwenden: die g\u00e4nzlich unduldsamen Menschen verdienen auf inhaltlicher Ebene kein \u201eM\u00fch\u201c Toleranz, denn wenn wir mit ihnen auf rationaler Ebene nicht mehr \u201everhandeln\u201c k\u00f6nnen, riskieren wir, jede noch existierende Toleranz vollst\u00e4ndig zu verlieren (sog. \u201eToleranz-Paradox\u201c).<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>Schliesslich besitzt die Meinungsfreiheit auch einen inh\u00e4rent positiven <em>Auftrag<\/em> an jeden Einzelnen, n\u00e4mlich dass wir offen f\u00fcr Neues, f\u00fcr andere Meinungen, sein sollten. Bescheidenheit ist eine der grossen liberalen Tugenden. Anderen ohne intellektuelle \u00dcberheblichkeit zuzuh\u00f6ren, ist eine Eigenschaft, die sich historisch selten an einem Ort und zu irgendeinem Zeitpunkt als falsch erwiesen hat. Immerhin: es k\u00f6nnte ja ein F\u00fcnkchen Wahrheit in der Meinungs\u00e4usserung unserer Mitmenschen stecken.<\/p>\n<p>Und selbst wenn wir im Einzelfall nicht von unseren Mitmenschen lernen konnten, so wissen wir nun doch weit mehr \u00fcber sie, ihre Ansichten und Ideen. Wir <em>lernen<\/em> dadurch, unsere Standpunkte effektiver und damit verst\u00e4ndlicher zu kommunizieren \u2013 eine ungemein wichtige Eigenschaft in einem politischen \u201emarket place of ideas\u201c.<\/p>\n<p><strong>Fine<\/strong><\/p>\n<p>Als zur Vernunft begabtes Wesen ist der Mensch <em>f\u00e4hig<\/em>, edel, hilfreich und gut zu handeln, um mit Goethe zu sprechen \u2013 und wir sollten tats\u00e4chlich versuchen, dies so zu tun, wollen wir uns nicht einer gewissen Tugendethik und\/oder Regeln des Anstandes verschliessen. Der Mensch ist aber vor allem eines, n\u00e4mlich dazu verdammt, \u00fcberkommene Strukturen und Werte zu <em>hinterfragen<\/em>. Jeglicher Versuch, diesen \u201eUr-Instinkt\u201c zu unterbinden, muss letzten Endes zur Unterdr\u00fcckung eines Teilaspekts des Menschseins f\u00fchren \u2013 und damit unweigerlich die Menschenw\u00fcrde im oben verstandenen Sinne und damit unsere individuelle Identit\u00e4t tangieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[1]<\/a> Siehe William Ruger, Free Speech Is Central to Our Dignity as Humans, 3. Juni 2016, http:\/\/time.com\/4355651\/free-speech-human-dignity\/<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[2]<\/a> Siehe etwa Kevin Litman-Navarro, Wittgenstein on Whether Speech Is Violence, 30. August 2017, https:\/\/daily.jstor.org\/wittgenstein-whether-speech-violence\/<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[3]<\/a> \u00dcbers.: Hart in der Sache, aber weich im Umgang [mit unseren Mitmenschen].<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[4]<\/a> Siehe https:\/\/www.welt.de\/print-welt\/article154640\/Karl-Popper-ueber-Toleranz.html<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorbemerkungen zur Menschenw\u00fcrde und zur individuellen Identit\u00e4t Die Menschenw\u00fcrde ist ein schwer greifbares Konzept, dessen praktischer Wert unter Rechtsphilosophen zudem umstritten ist. Aus ethischer Perspektive wurde und wird die Menschenw\u00fcrde traditionell entweder theologisch (Mensch als Abbild Gottes), naturrechtlich (aufgrund der Vernunft) oder formalistisch bzw. deontologisch (insbesondere mit Immanuel Kants These, dass der Mensch immer Selbstzweck [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":916,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[84,29,183,67,32],"tags":[252,113,253,251,89,255,257,254,106,104,258,256],"class_list":["post-913","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-culture","category-freedom","category-philosophy","category-politics","category-society","tag-forced-speech","tag-free-speech","tag-freedom-of-expression","tag-hate-speech","tag-hayek","tag-john-stuart-mill","tag-karl-popper","tag-meinungsfreiheit","tag-menschenwurde","tag-toleranz","tag-virtue-signalling","tag-wittgenstein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.flockofideas.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/913","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.flockofideas.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.flockofideas.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.flockofideas.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.flockofideas.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=913"}],"version-history":[{"count":114,"href":"https:\/\/www.flockofideas.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/913\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1089,"href":"https:\/\/www.flockofideas.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/913\/revisions\/1089"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.flockofideas.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/916"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.flockofideas.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=913"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.flockofideas.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=913"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.flockofideas.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=913"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}